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NASCAR - Die Geschichte des Daytona 500

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Opa
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BeitragVerfasst am: 31.01.2009, 10:29 Antworten mit ZitatNach oben

Die Geschichte des Daytona 500 (1)

Am 15. Februar startet die 51. Auflage des Daytona 500 - 'Motorsport-Total.com' beschreibt ausführlich die Historie des "Great American Race"

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Heute unvorstellbar: In Daytona wurde
Früher direkt am Meer gefahren © Ford

Daytona und Indianapolis. Diese beiden Orte sind nicht nur in den USA die großen Synonyme für den US-amerikanischen Motorsport. Was das traditionsreiche Indy 500 für die Formelszene darstellt, ist das Daytona 500 für die mittlerweile wesentlich populäreren StockCars der NASCAR-Serie. Am 15. Februar 2009 fällt die Startflagge zur 51. Ausgabe.

Das Daytona 500 ist zugleich Saisonauftakt und Saisonhöhepunkt der NASCAR, bei dem wieder weit über 200.000 Zuschauer das mächtige 2,5 Meilenoval des Daytona International Speedways bevölkern werden. Über 30 Millionen Amerikaner werden das "Great American Race" an den TV-Bildschirmen verfolgen. 'Motorsport-Total.com' gibt einen ausführlichen Einblick in die umfangreiche historische Tradition des Daytona 500.

Schon über 50 Jahre vor dem Bau des heutigen Daytona International Speedways gab es am Strand von Daytona automobile Aktivitäten. Der etwas nördlich gelegene Ormond Beach war im Februar 1903 der Schauplatz des ersten organisierten Motorsportrennens in den USA. Ein gewisser Alexander Winston fuhr seinen Winston Bullet mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 68,19 Meilen (109,7 Stundenkilometer) vor einer Handvoll fröstelnder Schaulustiger zum Sieg.

Es war der Auftakt zu einem alljährlich wiederkehrenden Treffen von abenteuerlustigen Erfindern, deren Geldbeutel so gut gefüllt waren, um teilweise sonderbar anmutende Vehikel im Eigenbau zu neuen Geschwindigkeitsrekorden zu führen. So gewann der kleine Badeort Daytona Beach auch schnell an internationalem Ruf.

Bonneville statt Daytona

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Der lange Sandstrand von Daytona diente
früher fast nur zu Rennzwecken © Ford

Die Entwicklung und die erreichten Geschwindigkeiten schritten schnell voran. 1935 stellte der Engländer Sir Malcolm Campbell einen neuen sagenhaften Rekord auf: Mit sage und schreibe 276,82 Meilen pro Stunde - das sind 445,5 Stundenkilometer - raste Campbell den Strand zwischen Daytona und Ormond entlang.

Es war die große Zeit der Rekordfahrten. Gemessen wurden zwei Läufe in je eine Richtung. Bei einem Lauf durchbrach Campbell sogar die 300-Meilenmarke, konnte diesen Schnitt auf dem Rückweg jedoch nicht bestätigen. Zu rau und zu wechselhaft waren die Bedingungen direkt am Atlantik, weshalb sich das Rekordgeschehen in der Folge in Richtung der großen Salzseen von Bonneville im US-Bundesstaat Utah verlagerte.

Das gefiel den Bewohnern Daytonas natürlich ganz und gar nicht. Ruf und Einnahmen standen auf dem Spiel. In Windeseile stecke man einen 3,2 Meilen langen Kurs ab, der direkt am Meer entlang in Richtung Norden führte. Für den Rückweg benutzte man der Einfachheit halber die Hauptstrasse. Zwei fast komplett flache 180-Grad-Kurven verbanden die beiden Geraden und bereits 1936 fand das erste StockCar-Rennen von Daytona Beach statt. Der New Yorker Milt Marion gewann in einem Ford V8, aber das Event wurde zu einem finanziellen Desaster.

Zwei Jahre zuvor war Bill France mit seiner Familie von Washington nach Daytona Beach gezogen und unterhielt in Florida eine Tankstelle. Auch France nahm an dem Rennen 1936 teil und wurde Fünfter. Es war die wilde Zeit vor der NASCAR, in der einige StockCar-Promoter nur allzu gerne mit der Eintrittskasse durchbrannten - während das Rennen noch lief. Die Preisgelder verschwanden auf diese Art und Weise natürlich genauso.

Daytona und das Meer

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Action: Die Zuschauer strömten schon vor
NASCAR in Scharen nach Daytona © Ford

In jedem County gab es andere Regeln, doch die spektakulären Rennen zogen auch immer mehr Zuschauer in ihren Bann. Die StockCar-Szene wuchs und wuchs, und am 14. Dezember 1947 gelang es France schließlich, die diversen Interessen unter einen Hut zu bringen. Ort der Verhandlungen war das Streamline Hotel in Daytona Beach.

Unter dem Dach der NASCAR organisiert, nahm die junge Serie nun noch schneller an Fahrt auf. Was deren Chef Bill France jedoch fehlte, war ein Symbol. Die Monoposto-Piloten hatten ihren Indianapolis Motor Speedway und France schielte durchaus neidisch nach Indianapolis.

In Daytona wurde währenddessen nach wie vor am Strand gefahren. Die Veranstalter waren also stark abhängig von den Gezeiten, und die Familie France war es müde, den Beach-Campern am Morgen des Renntages mitzuteilen, dass sie ihre Zelte besser abbrechen sollten, da hier in wenigen Stunden ein Rennen ausgetragen werden würde.

"Wir wussten nie, welche Art von Strecke wir vorfinden würden, nachdem sich die Flut zurückgezogen hatte", erinnerte sich France einmal. "Wir wussten auch nicht, wie hart der Untergrund sein würde. Alles hing davon ab, aus welcher Richtung gerade der Wind blies."

Die Zuschauer strömen in Scharen

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Curtis Turner gewann in Daytona 1956
noch auf der Hauptstrasse © Ford

Viele NASCAR-Fans konnten den Eintritt auch komplett umgehen und die Rennen mitverfolgen, ohne einen Dollar zu bezahlen. Allerdings nicht zur Gänze, denn die Strecke war flach und aus keiner Position heraus komplett einzusehen. Nicht einmal von den mittlerweile errichteten Tribünen.

Für die Startaufstellung - von einer Qualifikation im heutigen Sinne war kaum die Rede - fuhren die Piloten am Strand eine Meile lang geradeaus. Das hatte Konsequenzen, denn somit drehte kein Fahrer vor dem Start eine komplette Runde. "Es ging immer ziemlich langsam los, wurde aber nach der Zwei-Meilen-Gerade vor Turn 3 richtig turbulent. Die erste Runde war zugleich Training und die erste Rennrunde. Speziell für die Rookies war das sehr schwierig."

Die Gezeiten bestimmten auch den Zeitplan: Insgesamt standen nur sechs Stunden zur Verfügung, damit die Fans an die Strecke kommen konnten, das Rennen durchgeführt wurde und die Zuschauer im Anschluss wieder nach Hause fahren konnten.

Das bestimmte die Renndistanz: Zunächst fuhr man in Daytona 200 Meilen, die später auf 160 Meilen verkürzt wurden. Bis zu 30.000 Zuschauer strömten Anfang der 1950er Jahre nach Daytona, doch der Ozean hielt sich nicht an die Zeitpläne der NASCAR und forderte in schöner Regelmäßigkeit seinen Tribut ein.

Spionage in Indianapolis

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NASCAR-Gründer William "Bill" France Sr.
verstarb am 7. Juni 1992 © NASCAR

In Darlington war in der Zwischenzeit ein erstes komplett asphaltiertes Oval entstanden, doch France dachte in noch größeren Dimensionen. Er wollte seinen Speed-Palast haben - ein mächtiges Oval mit zwei noch mächtigeren Steilkurven. Eine Strecke also, auf der die Zuschauer jeden Winkel des Geschehens mitverfolgen konnten und, ganz entscheidend, auf der die Speeds höher sein sollten als in Indianapolis.

Es war von Anfang an ein wahres Mammutprojekt. "Wenn wir den Motorsport und die damit verbundene Wirtschaftskraft behalten wollen, dann brauchen wir einen Speedway", war das schlagkräftige Argument, das France den Stadtvätern Daytonas unter die Nase rieb.

Im April 1953 begann die Planungsphase. Geldgeber kamen und gingen, das ganze Land interessierte sich plötzlich für dieses Projekt. Speziell in Indianapolis verfolgte man mit Argusaugen die Geschehnisse im Süden. Ein Beispiel? Im Mai 1954 warf die AAA France aus dem Brickyard. Der NASCAR-Chef hatte sich heimlich einen Gästepass organisiert, wurde aber in der Gasoline Alley erkannt und prompt hinaus komplementiert.

Widerstände, Probleme und Schwierigkeiten gab es also viele, doch im November 1957 unterzeichnete France einen Vertrag, in dem er sich ein 200 Hektar großes, mit Zypressen bewachsenes Sumpfgelände im Südwesten der Stadt sicherte. Die Bauarbeiten begannen sofort.

Keine zwei Millionen US-Dollar

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1957: Bill France Jr. (li.) und Bill France Sr. (re.)
planen den Daytona-Speedway © NASCAR

Auch Bauleiter Charles Moneypenny war während der Bauphase mit einigen größeren Problemen konfrontiert. Vor allem, weil France eine maximale Kurvenerhöhung sehen wollte. Diese beträgt auch heute noch 31 Grad, denn diese Steigung war die höchstmögliche für das aufzuschüttende Erdreich. Bei jedem Grad mehr begann das Erdreich wieder den Berg hinunter zu rieseln.

Aus dem Infield musste also tonnenweise Erdreich als Fundament für die beiden mächtigen Steilkurven herangeschafft werden. Die Folge ist der Lake Lloyd, der heute noch das Infield des Superspeedways ziert. Er wurde übrigens benannt nach dem Mäzen J. Saxton Lloyd, dem Chef der Daytona Motor Company, für die France früher arbeitete.

Um die Kurven so plan und eben wie nur möglich zu asphaltieren, wurden die dazu notwendigen Geräte an Ketten befestigt, die wiederum mit oben an dem Bankett verankerten Bulldozern verbunden waren. Die erste Ausbaustufe der Haupttribüne gab 10.000 Zuschauern Platz und als 1959 die Bauarbeiten beendet waren, hatte das Projekt stolze 1,6 Millionen US Dollar verschlungen.

300.000 US-Dollar davon holte France über Aktien herein, die er zum Stückpreis von einem Dollar verkaufte. Unter anderem war Pepsi einer der ersten Daytona-Teilhaber. Ein stolzer France bekannte damals: "Wir haben zwischen dem ersten gefällten Baum und der völligen Fertigstellung keine zwei Millionen US-Dollar verbraucht."

Todesängste und eine Tragödie

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Fireball Roberts gewann 1962 in Daytona
und kam zwei Jahre später ums Leben © Ford

Die ersten Shakedown-Fahrten begannen und die Piloten waren beeindruckt. "Die einzige Geschwindigkeitsgrenze ist die Frage, wie schnell dein Auto geht - und wie weit deine Nerven ausreichen, um es zu fahren", sagte etwa Fireball Roberts. Lee Pettys Kommentar lautete: "Es gibt keinen Mann, der vor diesem Ort nicht Todesängste hat."

Doch das schönste und auch berühmteste Daytona-Zitat aus dieser Zeit stammt von Jimmy Thompson, das an dieser Stelle ausnahmsweise im englischen Original wieder gegeben werden soll: "There have been other tracks that separated the men from the boys. This is the track that will separate the brave from the weak after the boys are gone."

Und dann drohte alles gleich wieder zu kippen, noch bevor überhaupt die erste Startflagge gefallen war. Lokalmatador Marshall Teague, der in den Jahren 1951 und 1952 eines der Aushängeschilder des Hudson-Hornet-Teams war und die NASCAR ein Jahr später im Streit verließ, wollte am 11. Februar 1959 mit seinem Sumar Special Indy Car einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen.

Doch das Fahrzeug fing Unterluft, hob ab und überschlug sich mehrfach. Teague starb nach einem heftigen Unfall an Ort und Stelle. Dies führte natürlich zu sofortigen Diskussionen zum Thema Sicherheit und für eine kurze Zeit wurden die Sprüche über "France's folly", die Torheit von Bill France in Bezug auf das Daytona-Projekt, wieder hervorgeholt.

Mit einem Fotofinish zum großen Ruhm

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Der legendäre Zieleinlauf von 1959: Lee Petty (mi.)
gewinnt vor Beauchamp (u.) © NASCAR

Aber das weitere Renngeschehen der Daytona-Speedweek blieb von schweren Unfällen verschont. Im Gegenteil, die Zuschauer sahen am 22. Februar 1959 beim Start des ersten Daytona 500 der Geschichte nicht weniger als 59 Autos. Nach 500 Meilen, also 200 Runden später, sahen sie einen Side-by-Side Zieleinlauf zwischen Lee Petty (Oldsmobile) und Johnny Beauchamps (Ford Thunderbird).

Beauchamp wurde als Sieger gefeiert, doch Petty - der Vater der späteren NASCAR-Legende "King" Richard Petty - legte Protest ein. NASCAR sah sich nicht in der Lage, den Zieleinlauf aus eigenen Kräften heraus eindeutig aufzuklären, und France wandte sich via Presse an die Bevölkerung, alle Film- oder Fotodokumente einzureichen, die zur Aufklärung beitragen konnten.

Zwei Tage später wurde Petty zum Sieger des allerersten Daytona 500 erklärt. Doch diese Kontroverse sollte eine Konsequenz haben: "Das war der Moment, in dem Bill France und Lee Petty das Bild des Rennsports von einer reinen Ingenieursübung in eine Form der Unterhaltung überführten" schrieb der Berichterstatter Ed Hinton. "In diesem Augenblick stahl NASCAR die Herzen von allen anderen Formen des Motorsports, und brannte sich im Hirn von Otto Normalverbraucher ein."

Teil zwei des Daytona-Specials beschäftigt sich mit dem unaufhaltsamen Aufstieg des Superspeedways, der 1979 eine ungewöhnliche Krönung fand.

Quell: Motorsport-Total.com / Pete Fink


Zuletzt bearbeitet von Opa am 31.01.2009, 18:04, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 31.01.2009, 18:00 Antworten mit ZitatNach oben

Die Geschichte des Daytona 500 (2)

Von der Erfindung des "Draftings" bis zur legendären Massenkeilerei des Jahres 1979 -
hier Teil 2 des Daytona-Specials auf 'Motorsport-Total.com'


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Daytona 1976: Richard Petty (v.) und
David Pearson kollidieren in Runde 200
© NASCAR

(Motorsport-Total.com) - Die Geschichte des Daytona 500 ist natürlich auch unmittelbar verbunden mit dem Namen Richard Petty. Der "King" trat bereits in der ersten Ausgabe 1959 an und wurde mit einem geplatzten Motor als 57. gewertet. Sein Daytona-Debüt dauerte gerade einmal acht Runden. Doch in den kommenden 22 Jahren sollte Petty das Daytona 500 nicht weniger als sieben Mal gewinnen - ein Rekord, an den bis heute kein Konkurrent heranreichen konnte.

Pettys Vater Lee, der Sieger des ersten Daytona 500, und Sohn Richard waren selbstverständlich auch bei der zweiten Daytona-Auflage 1960 mit von der Partie. Sie beendeten das zum ersten Mal mit bewegten TV-Bildern übertragene Rennen als Dritter und Vierter. Aber natürlich waren die Fernsehstationen CBS und ABC dabei nicht landesweit und live auf Sendung, dies geschah erst 1979.

Doch das Daytona-Rennen von 1960 sollte einen weiteren wichtigen Meilenstein der NASCAR-Geschichte hervorbringen: Das "Drafting", oder deutsch formuliert, das Windschattenfahren. Der Name des eher zufälligen Erfinders lautete Junior Johnson, der wohl auch heute noch der legendärste aller der NASCAR-Piloten ist, die nie einen Meistertitel erringen konnten.

1960 wird das Drafting entdeckt

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Zwei echte Daytona-Legenden:
Richard Petty (li.) und Junior Johnson
© NASCAR

Johnson erhielt ganz kurzfristig das Angebot, für Ray Fox einen Chevrolet zu fahren, der den damals herrschenden Pontiacs jedoch hoffnungslos unterlegen war. Als er im Training einmal von Pontiac-Pilot Cotton Owens überholt wurde, entdeckte er den Windschatteneffekt. Johnsons Wortlaut in seiner Originalbeschreibung: "Ich setzte mich direkt hinter seine Stoßstange und blieb ganz einfach dort. Nachdem ich wieder an die Box gefahren war, kam Cotton Owens zu mir und fragte mich: 'Hey Junge, hast du die Kiste tatsächlich zum Laufen gebracht?'"

Was ihm zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht klar war: Er hatte gerade das Drafting entdeckt. Johnson blieb das gesamte Rennen über den dominierenden Pontiacs auf den Fersen. Er tankte, wenn die Pontiacs tankten, und er ließ die Reifen wechseln, wenn die Pontiacs beim Service waren. Zehn Runden vor dem Ende fiel schließlich auch der letzte Pontiac aus und Johnson siegte mit großem Vorsprung.

1962 schaffte Glen "Fireball" Roberts in seinem Stephens-Pontiac dann den ersten Daytona-Totalerfolg: Roberts gewann sein Qualifikationsrennen (heute das Gatorade 125), das Daytona 500 und im Sommer das Firecracker 250. Ende Mai 1964 verunglückte Roberts in Charlotte schwer und erlag am 2. Juli seinen Verletzungen.

1964 eine Menge an Prominenz

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Daytona 1966: Cale Yarborough und
Richard Petty führen das Feld ins Rennen
© Ford

In diesem Jahr gewann Richard Petty das erste seiner sieben Daytona-Rennen. Es umfasste eines der legendärsten Starterfelder der Daytona-Geschichte, denn die 46 Fahrer umfassende Starterliste quoll 1964 geradezu über von großen Namen aus allen Bereichen des Motorsports.

Mit A.J. Foyt, Johnny Rutherford und Parnelli Jones nahmen etwa drei Indy-500-Gewinner das Rennen auf. Dazu war die US-Sportwagenlegende Dan Gurney genauso am Start wie der französische Formel-1-Fahrer Jo Schlesser, der Onkel des späteren Dakar-Gewinners Jean-Louis.

Neben Sieger Petty fuhren unter anderem die NASCAR-Legenden Buck Baker, Ned Jarrett, David Pearson, Bobby Isaac, Cale Yarborough, Junior Johnson, Marvin Panch, Fireball Roberts, Tiny Lund, Buddy Baker oder der Gründervater der Earnhardt-Dynastie Ralph Earnhardt, sowie Wendell Scott, der erste farbige NASCAR-Pilot überhaupt.

Doch keiner sollte letztlich eine wirkliche Chance gegen die Startnummer 43 haben, den bärenstarken 1964er Plymouth von Richard Petty, der mit seinem nagelneuen und revolutionären Hemi-Motor der so namhaften Konkurrenz um die Ohren fuhr.

Erst Petty, dann Mario Andretti

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Daytona 1967: Der 27-jährige Mario Andretti gewinnt das Great American Race
© Ford

Dieses genauso legendäre wie kontrovers diskutierte Triebwerk wurde zur Saison 1965 von France verboten, was zu einem kompletten Rückzug der Dodge-Fraktion führte. General Motors war zu diesem Zeitpunkt in der NASCAR nicht werksseitig engagiert und damit war der Weg frei für die Ford Motor Company: Fred Lorenzen gewann das Daytona 500 vor weiteren zwölf Fords oder Mercurys. Das ist natürlich ebenfalls ein ewiger Rekord.

Es war ein regenverhangenes Rennen, das wegen Dunkelheit nach 133 der 200 Runden abgebrochen wurde. Genauso grau präsentierte sich das gesamte Jahr: Weil 1965 auch an den anderen Strecken angesichts der Ford-Dominanz Langeweile pur herrschte, blieb France gar nichts anderes übrig, als die Hemi-Motoren wieder zuzulassen. Damit krönte 1966 auch Richard Petty sein NASCAR-Comeback und gewann überlegen sein zweites Daytona 500.

1967 waren die Werke dann wieder vollständig versammelt: Über 80 Fahrzeuge wollten sich für das Daytona 500 qualifizieren. 50 von ihnen wurden zugelassen, aber der Sieger war ein Eindringling. Mario Andretti stahl allen NASCAR-Heroen die Show und gewann unter Gelber Flagge vor Fred Lorenzen und James Hylton, um den es übrigens auch 2009 wieder Gerüchte gibt. Denn angeblich will Hylton 2009 im zarten Alter von mittlerweile 74 Jahren noch einmal in Daytona an den Start gehen.

Für den damals erst 27 Jahre alten Andretti war sein Daytona-Sieg eine der Initialzündungen zu seinem späteren Weltruhm: 1969 gewann er das Indy 500 und 1978 die Formel-1-Weltmeisterschaft. Andretti gilt heute noch als einer der größten Motorsport-Allrounder, aber seinen Daytona-Erfolg hatte er auch dem starken Holman-Moody-Team zu verdanken, die zusammen mit David Pearson 1968 und 1969 zwei NASCAR-Titel holten.

WingCars - der Daytona und der Superbird

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Daytona 1970 und die Wing Cars: Pete Hamilton im Plymouth Superbird
© NASCAR

Hinter Richard Petty ist Cale Yarborough mit seinen vier Daytona-Siegen der zweiterfolgreichste NASCAR-Pilot auf dem 2,5 Meilen Superspeedway. Yarborough gewann 1968 das erste seiner vier Daytona 500, damals übrigens zum ersten Mal vor über 100.000 Zuschauern an der Strecke. 1977, 1983 und 1984 sollte er noch drei Triumphe folgen lassen können.
In dieser Zeit nahm der rasante Aufstieg der NASCAR noch einmal an Fahrt auf: Überall in den USA wurden superschnelle Superspeedways eröffnet, unter denen 1969 mit Talladega ein zweites Oval vom Schlage des Daytona International Speedways hinzu kam. Talladega hat ebenfalls eine Rundenlänge von 2,5 Meilen, besitzt mit 33 Grad jedoch ein noch steileres Banking als Daytona.

Es war auch die Zeit der legendären "Wing-Cars", unter denen der Dodge Charger Daytona und der Plymouth Superbird zu Weltruhm gelangten. Pete Hamilton gewann 1970 in eben so einem Superbird das Daytona 500. Es siegte übrigens der falsche "Bird", denn sein Teamkollege und Chef Richard Petty fiel bereits nach sieben Runden mit einem Motorschaden aus.

Der Winston-Cup und die Ölkrise

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Regelmäßig am Start: A.J. Foyt bei
seinem Daytona-Sieg in der Saison 1972
© NASCAR

Doch unter den Regieanweisungen Pettys rang Hamilton David Pearson, den ewigen Petty-Konkurrenten, in der Schlussrunden nieder. Petty selbst rückte 1971 dieses Bild schnell wieder zurecht, bevor 1972 nach Mario Andretti ein zweiter Formelpilot die NASCAR-Asse schockierte: A.J. Foyt gewann 1972 im legendären Purolator-Mercury mit der Startnummer 21 der Wood Brothers das Daytona 500.

Zu diesem Zeitpunkt war in der NASCAR die "Modern Era" bereits angebrochen. Die Werke hatten sich zurückgezogen, die Sponsoren hielten Einzug und der Winston-Cup löste die bis dato Grand National genannte Top-Liga der NASCAR ab.

Aber es war auch die Zeit der Ölkrise, was Richard Petty weder 1973 noch 1974 davon abhielt, zwei am Ende recht einfache Abstaubersiege einzufahren, nachdem zuvor die jeweils Führenden Buddy Baker (1973) und Donnie Allison (1974) ausgefallen waren.

Daytona positionierte sich in diesem schwierigen Umfeld zunehmend als Klassiker. Eines der größten NASCAR-Dramen überhaupt geschah 1976, und die beiden Hauptdarsteller waren zwei bestens bekannte Duellanten: Richard Petty und David Pearson. Sie dominierten das Rennen völlig und in den letzten 46 Runden wechselte die Führung ständig hin und her.

Das Pearson/Petty-Drama von 1976

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Unglaublich aber wahr: David Pearson (hi.)
gewinnt noch vor Richard Petty (v.)
© NASCAR

Die Schlussrunde ging schließlich in die NASCAR-Geschichtsbücher ein. Eingangs der letzten Runde lag Petty einige Wagenlängen vor Pearson. Der nutzte den Windschatten und saugte sich eingangs Turn 3 an Petty heran. Beide durchquerten Seite an Seite Turn 4, bevor es am Kurvenausgang zu einer Berührung kam.

"Ich weiß nicht genau, was danach geschehen ist", erklärte Pearson unmittelbar nach dem Rennen. "Petty fuhr unter mir, dann brach sein Auto aus. Ich wurde in die Wand gedrängt, kam zurück und touchierte ihn. Dann begannen wir uns zu drehen."

So war es auch: Petty krachte zuerst in die Außenmauer und drehte sich anschließend nur wenige Meter vor der Ziellinie im Gras des Infields. Pearson wiederum kollidierte im Bereich der Boxeneinfahrt leicht mit einem dritten Auto, brachte es jedoch irgendwie fertig, seinen Wood-Ford wieder in die richtige Richtung zu manövrieren und die Kupplung zu treten.

Auch lief Pearsons Motor noch und so stotterte er über die Ziellinie, während die Petty-Mechaniker im Infield verzweifelt versuchten, den "King" über die Ziellinie zu schieben. Das war selbstverständlich verboten: Pearson gewann und Petty wurde als Zweiter mit einer Runde Rückstand gewertet.

1979 - Das Daytona 500 landesweit und live...

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Der stämmige Cale Yarborough –
hier ein Foto aus der Saison 1967
© NASCAR

Noch spektakulärer und berühmter waren die Ereignisse des Jahres 1979. Dieses Daytona 500 machte die NASCAR mit einem Schlag zu einem landesweiten Mega-Event, denn dieses Rennen war das erste, das von Küste zu Küste live und in voller Länge übertragen wurde. Gewonnen hatte wieder einmal Richard Petty, doch das interessierte niemanden.

Denn es kam zu dem berühmten Boxkampf zwischen Cale Yarborough und den Brüdern Donnie und Bobbie Allison, der auch in den Wochen und Monaten nach dem Daytona 500 des Jahres 1979 die US-Schlagzeilen füllte. Was war genau passiert?

Yarborough, damals dreifacher NASCAR-Champion in Folge, war früh im Rennen nach einer Kollision mit Donnie Allison zwei Runden zurückgefallen. Er hatte jedoch beide Runden jeweils durch ein Überholmanöver auf der Gegengerade wieder zurückgewinnen können.

... und die Zuschauer sehen einen Boxkampf

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1979: Cale Yarborough gegen
Bobbie Allison (m.) und Donnie Allison (u.)
© NASCAR

Dann die Schlussrunde: Donnie Allison führte, Yarborough kam aus Turn 2 heraus innen auf der Gegengerade herangeflogen. Allison blockierte natürlich und drängte Yarborough zweimal mit zwei Rädern in Richtung Schlamm. Yarborough verlor die Kontrolle und es kam zur unvermeidlichen Kollision: Beide Autos krachten in die Mauer, Petty staubte wieder einmal ab.

Soweit, so gut, aber nun begann das eigentliche Drama: Bobby Allison fuhr weiter hinten im Feld und stoppte, weil er sich vom Wohlbefinden seines Bruders überzeugen wollte. Offensichtlich - die Schilderungen der Beteiligten gehen an dieser Stelle naturgemäß weit auseinander - hatte er auch ein paar passende Worte für Yarborough übrig, doch jener hatte zu diesem Zeitpunkt eine ganz kurze Sicherung am brennen.

Yarborough - in seiner Jugend ein recht stämmiger und erfolgreicher American Footballspieler - war schwer angesäuert, hob die Fäuste und nahm es mit beiden Allison-Brüdern gleichzeitig auf. Das Problem an der Sache: Dieses Daytona 500 war das erste NASCAR-Rennen, welches vom Fernsehsender CBS landesweit in den USA live übertragen wurde. NASCAR war in ganz USA angekommen, und die Serie präsentierte sich gleich zum Auftakt von ihrer allerbesten Seite.

Teil 3 des Daytona-Specials auf 'Motorsport-Total.com' schildert den weiteren Weg des "Great American Race" mit dem tragischen Tod von Dale Earnhardt Sr. bis hin zur NASCAR-Neuzeit.

Quelle: Motorsport-Total.com / Pete Fink
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BeitragVerfasst am: 01.02.2009, 13:54 Antworten mit ZitatNach oben

Die Geschichte des Daytona 500 (3)

Der dritte und letzte Teil des Daytona-Specials schildert unter anderem
den tragischen Tod von Dale Earnhardt Sr. und die aktuelle NASCAR-Neuzeit


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Daytona 2001: Dale Earnhardt Sr. (o.)
vor Dale Jarrett (m.) und Mark Martin (u.)
© Ford

Das Daytona 500 startete so richtig standesgemäß in die 1980er Jahre. Buddy Baker gewann 1980 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 285,809 Stundenkilometern. Diese Marke ist bis heute unübertroffen und wird es aufgrund der 1988 eingeführten Restrictor-Plates wohl auf längere Zeit noch bleiben.

1981 holte sich Richard Petty seinen siebten und letzten Daytona-Sieg in typischer Manier. In einem turbulenten Rennen zockte der "King" und wechselte 24 Runden vor dem Ende nicht mehr die Reifen. Bobby Allison hatte zwar 117 der 200 Runden geführt, doch das nutzte ihm nichts mehr. Petty schlug ihm ein Schnippchen und Allison musste ein Jahr warten, bis er seinen Buick 1982 in die Victory Lane fahren konnte.

Nachdem Altstar Cale Yarborough 1983 und 1984 noch einmal zwei Jahre hintereinander die Oberhand behalten konnte, war 1985 Bill Elliott an der Reihe. Es war die Saison, in der der NASCAR-Sympathieträger aus Georgia zum "Million-Dollar-Bill" wurde, weil er drei der vier wichtigsten NASCAR-Events des Jahres gewonnen hatte. Daytona war in dieser Liste die Nummer eins und später musste Titelsponsor Winston die berühmte Winston-Million bereits im ersten Jahr ihrer Einführung ausbezahlen.

Die 1980er Jahre der NASCAR sahen aber auch einen Machtwechsel. Youngsters wie Elliott, Dale Earnhardt Sr., Darrell Waltrip oder Rusty Wallace liefen den Platzhirschen Petty, Allison, Baker oder Yarborough langsam aber sicher den Rang ab. So blieb es Bobby Allison 1988 vorbehalten, der letzte aus der alten NASCAR-Garde zu sein, der ein Daytona 500 für sich entscheiden konnte.

In Daytona ist immer Zahltag

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Volle Tribünen, riesige Einschaltquoten –
das Daytona 500 ist für alle lukrativ
© NASCAR

Allison war damals stramme 50 Jahre alt, doch die Jugend lauerte auch in der Familie, denn Allisons Sohn Davey wurde 1988 hinter dem Papa Zweiter. Bezeichnend: Richard Petty erlebte in diesem Rennen in Runde 106 einen seiner schwersten NASCAR-Unfälle, der nach zahlreichen Überschlägen jedoch ohne Spätfolgen blieb. Petty entstieg seinem Wrack unverletzt.

Zuschauerzahlen und Einschaltquoten stiegen weiterhin konstant und steil an. Das machte sich auch im Geldbeutel bemerkbar. Ein wesentlicher Grund, warum beim Daytona 500 in jedem Jahr mehr Autos als in den anderen Rennen gemeldet werden, ist das Preisgeld: 1998 konnte sich der Daytona-Sieger Dale Earnhardt Sr. zum ersten Mal mehr als eine Million US-Dollar abholen, 2006 freute sich Jimmie Johnson schon über mehr als 1,5 Millionen US-Dollar.

Aber nicht nur ein Daytona-Sieg lässt die Mannschaftskasse sprudeln. Schon der erfolgreiche Sprung ins 43-köpfige Hauptfeld garantiert auch einem kleinen Sprint-Cup-Team einen außerordentlichen Zahltag. 2008 gewann Kenny Wallace als 43. und Letzter zum Beispiel 233.865 US-Dollar. Das ist ein höherer Betrag, als sich der Sieger von acht Cup-Events des Jahres 2007 einstreichen konnte.

Die Daytona-Erfolgszutaten lauten seit vielen Jahren gleich: Trotz Restrictor Plates ein bärenstarker Motor, ein aerodynamisch ausgefeiltes Auto, das vor allem in den riesigen Pulks von Fahrzeugen perfekt funktioniert, etwas Hilfe von Teamkollegen oder Freunden in den massiven Windschattenschlachten - und am Ende eine gehörige Portion Cleverness und Glück.

Viele Überraschungssieger

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Generationswechsel: 1988 gewann
Papa Bobby Allison (l.) vor Sohn Davey
© NASCAR

Teambesitzer Robert Yates - in Daytona sehr erfolgreich - formulierte es folgendermaßen: "Das Daytona 500 gewinnt normalerweise der coolste und geduldigste Pilot. Nicht der, der ohne Nachzudenken vorne weg ballert." Yates führte Davey Allison (1992) und zweimal Dale Jarrett (1996 und 2000) zu einem Daytona-500-Sieg.

Daytona produzierte schon viele Helden, aber ausgerechnet Dale Earnhardt Sr. ist wohl die tragische Figur in Daytona. Der siebenfache NASCAR-Champion benötigte nicht weniger als 18 Anläufe, bis er 1998 endlich sein erstes und einziges Daytona 500 gewann. Dabei klebte ihm - den vermeintlichen Sieg vor Augen - das Pech bei weitem nicht nur einmal an den Schuhsohlen.

1986 lag Earnhardt Sr. in Front, bevor ihm drei Runden vor dem Ende der Sprit auszugehen drohte. Es gewann Geoff Bodine. 1990 platzte ihm in der Schlussrunde ein Reifen. Zu diesem Zeitpunkt lag der "Intimidator" in Führung und wurde am Ende nur Fünfter. Es gewann Derrike Cope. 1991 traf seinen Childress-Chevrolet auf der Gegengeraden eine Möwe. Es gewann der unvergessene Ernie Irvan.

1993 wurde er in der Schlussrunde noch von Dale Jarretts Joe-Gibbs-Chevrolet mit der Startnummer 18 überholt. Es war Jarretts erster von insgesamt drei Daytona-Siegen, was dessen Vater Ned in der TV-Kommentatoren-Kabine als "Dale-and-Dale-Show" bezeichnete. Dies ist in der NASCAR-Garage auch heute noch ein weithin bekannter Begriff.

Das Hendrick 1-2-3 von 1997

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1997 dreimal Hendrick: Terry Labonte (l.),
Jeff Gordon und Ricky Craven
© NASCAR

Doch die bis dato berühmteste Earnhardt-Show fand 1997 statt. Elf Runden vor Schluss führte Bill Elliott ein Sechserpack an. Direkt dahinter liegend griff Jeff Gordon Earnhardt an. Es kam zur Kollision, in die auch Dale Jarrett in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Earnhardt-Chevy überschlug sich und kam im Infield zum stehen. Ein Wrack - oder doch nicht?

Natürlich kam die Gelbe Flagge und Earnhardt wartete den Fans zu winkend auf die vorgeschriebene Ambulanz. Dann bemerkte er, dass sich an seinem Chevy noch alle vier Räder in einigermaßener Ordung befanden. Er bat einen Streckenposten auszuprobieren, ob die Zündung noch funktioniere. Der Motor sprang an.

"Gebt mir mein Auto zurück", verlangte ein aufgebrachter Earnhardt ohne mit der Wimper zu zucken. Unter den Standing Ovations der Zuschauer kletterte der "Working Class Hero" wieder in seinen Goodwrench-Chevy, ließ sich angurten und beendete das Rennen mit fünf Runden Rückstand als 31. Aufgeben gibt es in der NASCAR nicht.

An der Spitze machte das Hendrick-Trio von Jeff Gordon, Terry Labonte und Ricky Craven übrigens kurzen Prozess mit dem wehrlosen Elliott. Es war ein Unikat, denn die Hendrick-Autos belegten 1997 geschlossen die Plätze eins bis drei. Der damals 25-jährige Jeff Gordon ist bis heute der jüngste Daytona-Sieger aller Zeiten.

1998 endlich der einzige Earnhardt-Erfolg

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1998 gratulierte die ganze Boxengasse
dem Daytona-Sieger Dale Earnhardt Sr.
© NASCAR

Earnhardts Teamchef Richard Childress erklärte übrigens unmittelbar nach dem Rennen: "Dale ist der härteste Knochen da draußen. Er verdient es mehr als jeder andere, dieses Rennen endlich zu gewinnen." Ein Jahr später, 1998, sollte es soweit sein.

Der Earnhardt-Chevy war an diesem Daytona-Tag einfach das beste Auto. 107 der 200 Runden lag der schwarze Chevrolet mit der Startnummer drei in Front, aber sollte das Daytona-Pech wieder zuschlagen? Eine Runde vor Schluss kollidierten John Andretti und Lake Speed auf der Gegengeraden. Natürlich kam eine Gelbe Flagge.

Damals war es noch zulässig, dass ein Rennen unter Gelb beendet werden konnte. Alles was Earnhardt zu tun hatte war also, Runde 199 zu komplettieren und den stark drängelnden Joe-Gibbs-Pontiac von Bobby Labonte hinter sich zu halten. Das gelang. Auf der Ziellinie wurde die Reihung eingefroren und Earnhardts Runde 200 wurde zu einem wahren Triumphzug.

"Meine Augen wurden feucht", beschrieb Earnhardt seine Gefühle auf dieser Ehrenrunde später. "Aber ich glaube nicht, dass ich geweint habe." Er rollte durch die Boxengasse und nahm die Glückwünsche fast aller Teams entgegen, die dort ein Spalier bildeten. Sogar der damalige NASCAR-Chef Bill France Jr. ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich in der Victory Lane zu erscheinen. Es war das einzige Mal in seiner 27 Jahre währenden Amtsperiode.

Das wilde Daytona-Rennen 2001

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2001: Der siebenfache Champion Dale Earnhardt Sr.
verlor in Daytona sein Leben © NASCAR

Das Daytona 500 des Jahres 2000 war ein echter Langweiler. Dale Jarrett gewann und lediglich sieben Piloten lagen wenigstens eine Runde in Front. Ein absoluter Minusrekord. NASCAR reagierte. Man modifizierte die Aerodynamik der Autos auf den Superspeedways so, dass bereits das Herbstrennen auf dem Superspeedway von Talladega ein wahrer Knüller war. 49 Führungswechsel waren die Folge und der Sieger hieß Dale Earnhardt.

Damit war klar, dass der "Intimidator" auch im Daytona 500 des Jahres 2001 eine Favoritenrolle einnahm. Es war das erste NASCAR-Rennen, dass der US-Sender 'Fox' übertrug, die keinen Geringeren als den dreifachen NASCAR-Champion Darrell Waltrip als Co-Kommentator verpflichtet hatten.

Es kam zu einem erwartet wilden Rennen. 26 Runden vor dem Ende nahm eine Massenkarambolage nicht weniger als 19 Autos aus dem Geschäft. Für die Earnhardt-Familie bahnte sich nun ein gewaltiger Tag an, denn beim Restart lagen Michael Waltrip und Dale Earnhardt Jr. in Front. Beide fuhren im DEI-Team von Dale Sr., der seinerseits im Childress-Chevrolet auf Platz drei fuhr.

Das Geschehen in der letzten Kurve der letzten Runde ist hinlänglich bekannt: Hinter Earnhardt Sr. flogen Sterling Marlin und Kenny Schrader heran. Marlin wählte die untere Linie, Schrader versuchte es oben herum. Earnhardt versuchte zu blocken, während vorne Michael Waltrip seinem ersten Daytona-Sieg entgegen fuhr.

Die verhängnisvolle letzte Runde 2001

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Vater und Sohn: Dale Jr. (r.) musste ab 2001
die Familientradition aufrecht halten
© NASCAR

Plötzlich brach der Earnhardt-Chevy erst nach unten aus, fing sich sofort wieder, brach nach rechts aus und krachte anschließend in die äußere Streckenbegrenzung. Optisch ein eher unspektakulärer Unfall, der in ähnlicher Art und Weise in der NASCAR schon dutzende Male geschehen war. Das Earnhardt-Auto rutschte die 31 Grad steile Kurve nach unten und kam zum Stillstand.

Schrader war der erste an der Unfallstelle und winkte sofort die Mediziner herbei. Später wollte er vor laufenden Kameras keine Auskunft über das geben, was er sah. "Ich bin kein Doktor", lautete sein ausweichender Kommentar. Ein paar Stunden später musste NASCAR-Präsident Mike Helton die traurige Nachricht verkünden: "Wir haben Dale Earnhardt verloren." Earnhardt starb an seinen schweren Kopfverletzungen.

Mit diesem tragischen Unglück war die Earnhardt-Tradition in Daytona jedoch nicht vorbei. Natürlich war der Waltrip-Sieg in einem DEI-Chevy zur Nebensache geworden. 2003 wiederholte er diesen Erfolg in einem regenverkürzten Rennen, ein Jahr später fuhr Dale Earnhardt Jr. sein Auto zu einem emotionalen Daytona-Triumph.

Hendrick, Toyota und Kevin Harvick

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2007: Kevin Harvick schlägt Mark Martin
um zwei Hundertstelsekunden
© NASCAR

Damit war das Earnhardt-Erbe bis heute beendet. 2005 und 2006 befand sich Daytona zwei Jahre lang fest in der Hand der Hendrick-Zwilinge. Erst gewann Jeff Gordon nach 1997 und 2001 sein drittes Daytona 500 nach hartem Kampf gegen Kurt Busch und Dale Earnhardt Jr., dann zog 2006 Jimmie Johnson relativ ungefährdet nach.

2007 war die Daytona-Speedweek sehr ereignisreich. Mit Toyota tauchte plötzlich ein artfremder Konkurrent am US-Himmel auf, der die großen Drei aus Detroit in Sorgen stürzte. Da kam es umso gelegener, dass ausgerechnet im Vergaser des Toyota Camrys des frisch gebackenen Teambesitzers Michael Waltrip eine Substanz gefunden wurde, die Ähnlichkeiten zu Flugzeugtreibstoff Kerosin aufwies.

Toyota holte sich also gleich zum Debüt ein blaues Auge ab, aber die Schlagzeilen 2007 schrieb Mark Martin. Das langjährige Ford-Aushängeschild verließ Jack Roush zu Saisonende 2006 und kündigte ein Teilzeit-Engagement im Chevrolet-Team von Bobby Ginn an. Das hinderte Mark Martin jedoch nicht daran, dass Daytona 500 um Haaresbreite zu gewinnen. Lediglich ein am Ende unwiderstehlicher Kevin Harvick und dessen Childress-Chevrolet verhinderten dieses Vorhaben.

Roger Penske gewinnt in Daytona

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Ryan Newman und Kurt Busch bescherten
Roger Penske einen Doppelsieg
© NASCAR

Es war zugleich das Daytona-Debüt von Juan Pablo Montoya, der einen braven 19. Rang herausfuhr. Das Ungewöhnliche an dieser Platzierung ist lediglich, dass Montoya dabei von einem Auto geschlagen wurde, das die Ziellinie auf dem Dach überquerte. Die Rede ist natürlich von Clint Bowyer, der als 18. gewertet wurde.

2008 fand schließlich unter großen Festivitäten die 50. Jubiläumsausgabe des Daytona 500 statt. Zugleich war es das erste "500" mit dem neuen Car of Tomorrow der NASCAR. In einem sehenswerten Finale mischten die Gibbs-Toyotas von Tony Stewart und Kyle Busch zwar kräftig mit, aber gegen das hervorragende Teamwork der beiden blauen Penske-Dodge war kein Kraut gewachsen.

Ryan Newman und Kurt Busch bescherten Roger Penske einen historischen Doppelsieg, denn der US-Tycoon gewann zwar bereits 14 Mal in Indianapolis, aber noch nie in Daytona. In exakt 14 Tagen, also am 15. Februar 2009 startet das "Great American Race" zu seiner 51. Auflage. Die Startflagge zum prestigeträchtigsten aller NASCAR-Events fällt gegen 21:45 Uhr deutscher Zeit.

Quelle: Motorsport-Total.com / Pete Fink
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Keine neuen Beiträge NASCAR - Saison 2009 Opa Motorsport 47 05.02.2009, 18:04

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